EuroWire , BRÜSSEL: Die Importkosten der Europäischen Union für fossile Brennstoffe sind seit Beginn des Nahostkonflikts vor 44 Tagen um mehr als 22 Milliarden Euro gestiegen, erklärte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Montag. Sie unterstrich damit die wirtschaftliche Belastung durch die unterbrochenen Energielieferungen aus der Golfregion. Im Anschluss an eine Orientierungsdebatte der Kommission zur Krise sagte von der Leyen, der Anstieg sei ohne zusätzliche Energieimporte erfolgt. Sie verdeutlichte, wie sich höhere Preise und Lieferengpässe auf Unternehmen, Haushalte und Transportkosten in der gesamten EU auswirken.

Von der Leyen erklärte, der sprunghafte Anstieg der Importkosten verdeutliche das Ausmaß des Schocks für die europäische Wirtschaft, da die Straße von Hormus weiterhin faktisch gesperrt sei – eine Entwicklung, die sie als äußerst schädlich für Europa bezeichnete. Die Auswirkungen seien bereits an Tankstellen, in Supermärkten und auf den Haushaltsrechnungen spürbar. Die Kommission erklärte zudem, selbst bei einem sofortigen Ende der Kampfhandlungen würden die Unterbrechungen der Energielieferungen aus dem Golf noch einige Zeit andauern, den Preisdruck aufrechterhalten und die Bemühungen der EU zur Stabilisierung der Energiekosten erschweren.
Die Kommission kündigte an, am 22. April ein Maßnahmenpaket vorzulegen, im Vorfeld eines informellen Treffens der EU-Staats- und Regierungschefs am 23. und 24. April in Zypern. Bei diesem Treffen dürfte die Reaktion der EU auf die Energiekrise eine zentrale Rolle spielen. Ursula von der Leyen betonte, dass alle nationalen Unterstützungsmaßnahmen auf EU-Ebene koordiniert und auf den Schutz des Binnenmarktes ausgerichtet sein müssten. Die diskutierten Maßnahmen seien darauf ausgerichtet, die am stärksten gefährdeten Gruppen zu erreichen, schnell umzusetzen und zeitlich begrenzt zu sein. Sie berücksichtigten dabei die Lehren aus der letzten großen Energiekrise.
Sofortige Koordinierungsmaßnahmen
Ein zentraler Bestandteil des Pakets ist die engere Koordinierung der Gasspeicherbefüllung durch die Mitgliedstaaten. Brüssel will verhindern, dass mehrere Regierungen gleichzeitig in die Märkte eintreten und die Preise weiter in die Höhe treiben. Die Kommission erklärte außerdem, sie werde jegliche Freigaben aus Ölreserven koordinieren, um deren Wirkung zu maximieren. Von der Leyen verwies auf die EU-Energieplattform, die während der Energiekrise 2022 eingerichtet wurde, als Beweis dafür, dass gemeinsames Handeln den Wettbewerb innerhalb der EU verringern kann. Sie sagte, die Plattform habe dazu beigetragen, 90 Milliarden Kubikmeter Gaskäufe zu bündeln und 77 Milliarden Kubikmeter zwischen Käufern und Lieferanten zusammenzubringen.
Die Kommission will den Regierungen mehr Spielraum bei der Unterstützung von Sektoren einräumen, die von den stark gestiegenen Kraftstoff- und Düngemittelkosten betroffen sind, darunter Landwirtschaft, Straßenverkehr und Schifffahrt. Gleichzeitig berät sie sich mit den Mitgliedstaaten über einen befristeten Beihilferahmen. Brüssel hat angekündigt, diesen Rahmen noch in diesem Monat zu verabschieden. Ursula von der Leyen erklärte, die Unterstützungsmaßnahmen sollten sich auf gefährdete Haushalte und die am stärksten betroffenen Sektoren konzentrieren und die Lehren aus der letzten Energiekrise berücksichtigen. Damals hatten breit angelegte nationale Programme die Gefahr einer Fragmentierung des Binnenmarktes und einer Schwächung der koordinierten europäischen Reaktion mit sich gebracht.
Die strukturelle Reaktion nimmt Gestalt an
Neben Sofortmaßnahmen kündigte die Kommission längerfristige Maßnahmen zur Senkung des Energiebedarfs und zur Verringerung der Abhängigkeit der EU von importierten fossilen Brennstoffen an. Von der Leyen erklärte, dass durch Gebäudesanierungen und die Modernisierung von Industrieanlagen noch mehr für mehr Energieeffizienz getan werden könne. Gesetzesvorschläge zu Stromsteuern und Netzentgelten würden im Mai erwartet. Sie bekräftigte außerdem, dass die Kommission planmäßig im Juli das EU-Emissionshandelssystem überprüfen und noch vor dem Sommer eine Elektrifizierungsstrategie vorlegen werde, um den Umstieg auf heimische Energiequellen zu beschleunigen und die Energieabhängigkeit zu verringern.
Von der Leyen erklärte, erneuerbare Energien und Kernenergie deckten mittlerweile über 70 % der Stromerzeugung in der EU ab. Sie fügte jedoch hinzu, Europa benötige weiterhin mehr Speicherkapazität, Flexibilität und schnellere Netzverbindungen, um diese Energiequellen besser zu nutzen. Die jüngsten Turbulenzen hätten die Ansicht der Kommission bestärkt, dass die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen Europa anfällig für externe Schocks und höhere Stromkosten mache. Für Brüssel ist der Anstieg der Importkosten sowohl eine Warnung vor unmittelbarer Verwundbarkeit als auch ein neues Argument für eine beschleunigte Reform des Energiesystems.
Der Beitrag „EU-Rechnungsstellung für fossile Brennstoffe steigt sprunghaft an, da der Nahostkonflikt zunimmt“ erschien zuerst auf British Messenger .
